Maßgeschneiderte Cloud-IT: Microsoft Azure liebt OpenSource


Bevor hier aber auf die möglichen Lizenzierungsvarianten eingegangen wird, muss eine grundlegende Antwort auf die folgende Fragestellung gegeben werden: Wenn Linux auf Azure, warum dann Red Hat? Und nicht beispielsweise CentOS mit  freier Linux-Distribution.

Ruth Suehle von Red Hat hat die Gründe Red Hat Produkte und Lösungen gegenüber freien OpenSource-Projekten vorzuziehen in diesem Artikel sehr umfassend beschrieben.


Red Hat Cloud Access

Bestehende Red Hat Kunden haben – je nach Lizenzierungsform – das Recht Ihre bestehenden RHEL-Abonnements auch in der Microsoft Cloud zu verwenden. Dieses “Feature” der Red Hat Abonnement Vertragsbedingungen wird von Red Hat “Cloud Access” genannt. Cloud Access ist somit im übertragenden Sinne das “Bring-you-own-Subscription”-Recht (BYOS). Allerdings ist die Cloud Access Programmatik eher kompliziert.

Hier ein Auszug von der Red Hat Webseite zu den Cloud Access Bedingungen:

(Quelle der Screenshots: Red Hat)

 

 

Wie man sehen kann, sind sowohl einige Voraussetzungen zu beachten als auch diverse Richtlinien zu bedenken. Das macht diese Programmatik unnötig kompliziert und stellt für viele Kunden regelrecht einen Unsicherheitsfaktor dar. In der Praxis kann man sagen, dass Red Hat sehr hilfsbereit ist und seine Kunden bezüglich Cloud Access fair und umfassend berät. Nichts desto trotz bedürfen die Cloud Access Bedingungen einer intensiven Betrachtung innerhalb von den entsprechenden Projekten.

Technisch ist bei diesem Vorhaben einiges zu beachten:

Im Azure Marketplace gibt es (noch) keine vorkonfigurierten Systemvorlagen für Azure VMs mit Red Hat Enterprise Linux für ein Cloud Access-Szenario. Dies ist also anders als bei Azure VMs mit Windows, für die sogenannte “HUB”-Templates (HUB steht für Hybrid Use Benefit) zur Verfügung stellen. Bei den „Microsoft Hybrid Use Benefits“ handelt es sich um das Recht eine Windows Server Lizenz auch in der Cloud weiter zu verwenden, wenn man eine entsprechende Lizenz mit Software Assurance bereits im Bestand hat.

 

(Bild: Screenshot via Microsoft)

Das bedeutet, will man “Cloud Access” nutzen, muss eine Azure VM provisioniert werden, die nicht mit RHEL sondern nur mit einem “generischen” Linux ausgestattet ist. Ein Beispiel:

(Bild: Screenshot via Microsoft)

 

 

In dem Moment, in dem man eine Azure VM Instanz mit RHEL auswählt, wird das RHEL-Abonnement über Microsoft mitbereitgestellt und als Teil der “Servermiete” mit in Rechnung gestellt. Dies ist ein häufiger Fehler, den viele Unternehmen machen, wenn Sie RHEL-Instanzen auf Azure betrieben, aber Ihre eigenen Abonnements weiternutzen wollen.

Der Effekt ist: Der Kunde zahlt für das betroffene System quasi “doppelt”. Azure kann sonst nicht differenzieren, ob eine Azure VM mit eigenem RHEL-Abonnement oder mit einer von Microsoft bereitgestellten Abonnement betrieben wird. Eine nachträgliche Umstellung einer fälschlich angelegten Azure VM ist zwar möglich, aber nicht ganz unaufwändig.

Da es keine vorbereiten Cloud Access RHEL Systemvorlagen für Azure VMs gibt, müssen diese selbst erstellt und in den Image Katalog von Azure hochgeladen werden.

Wie dies zu bewerkstelligen ist, ist in diesem Artikel gut beschrieben.

Nur so ist sichergestellt, dass eine RHEL-Abonnement nicht doppelt Kosten verursacht und die Rechte von “Cloud Access” korrekt ausgenutzt werden können.

RHEL-Abonnements kurz zusammengefasst

RHEL-Abonnements werden immer für mindestens 12 bis 36 Monate abgeschlossen. Das heißt Kunden haben hier eine feste Vertragslaufzeit und das damit verbundene Nutzungsrechte für einen vordefinierten Zeitraum. Im Regelfall werden diese Abonnements im Voraus bezahlt. Weiterhin erlaubt Red Hat diese Abonnements bei Bedarf auf andere Systeme umzuziehen bzw. neu zu allokieren. Hierfür wird das Subscription Management des Red Hat Enterprise Networks genutzt.

Sollte ein System nicht mehr genutzt und betrieben werden, kann das System im Red Hat Network (kurz: „RHN“) “de-registriert” werden und das Abonnement wird wieder frei für andere/neue Systeme.

Durch “Cloud Access” sind Red Hat Kunden somit auch komplett frei, auf welcher Plattform die RHEL-Instanzen betrieben werden. Egal ob RHEL-Instanzen auf Microsoft Azure, Amazon Web Services, Hardware im eigenen Rechenzentrum oder auf einer Virtualisierungsplattform betrieben werden soll, Cloud Access erlaubt den Einsatz.